Rennbericht: iXS European Downhill Cup #4

Greenland und Widmann siegen in Pila

Die zweite Halbzeit des iXS European Downhill Cups begann am letzten Wochenende im italienischen Pila. Den prestigeträchtigen Sieg in den Elite Klassen sicherten sich Veronika Widmann und Laurie Greenland.

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Der auf 1.800 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Ort Pila konnte sich schon vor langer Zeit einen Namen in der Mountainbike Community machen. Dazu haben unter anderem große Veranstaltungen beigetragen. Sogar Weltcuprennen hat man in der kleinen Gemeinde hoch über Aosta schon ausgetragen. Von 2010 bis 2014 gastierte dort auch der iXS Europacup, bevor es etwas ruhiger im internationalen Business wurde. Die Abstinenz ist nun aber vorbei und die beliebte Strecke kehrte in den Rennkalender zurück.

Initiiert wurde der anspruchsvolle Kurs von keinem geringeren als Corrado Herin. Der Weltmeisterschaftsdritte von 1994 verstarb in diesem Frühjahr bei einem Flugzeugabsturz, weshalb ihm dieses Rennen gewidmet wurde. Seine Handschrift lässt sich bei dem sehr fordernden Kurs immer noch erkennen und definitiv hat er dazu beigetragen, dass die 2.700 Meter lange und 460 Höhenmeter vernichtende Strecke zu den beliebtesten Europas gehört. Die Organisatoren haben sich aber nicht auf den vorhandenen Lorbeeren ausgeruht, sondern haben extra für den Anlass erneut Hand angelegt. Neue Sprünge wurden gebaut, wofür einige Meter Holz verbaut und nicht unerhebliche Erdmassen bewegt wurden.

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Leider war schon vorab der Wetterbericht nicht gerade so, wie man sich diesen für ein Rennen in Italien im Sommer vorstellen würde. Zwar sollte auch dort, wie in ganz Europa, die Wärme Einzug halten, aber eben auch Regen. Trotzdem haben sich über 300 Fahrerinnen und Fahrer aus 33 Nationen angemeldet.

Der Freitag startete nach dem Abholen der Startnummer mit dem Track Walk und bis dahin hielt das Wetter. Eine trockene Strecke mit allen Features, die man sich wünscht, wurde den Fahrern präsentiert und man konnte wieder einmal sehen, warum dieser Kurs so sehr geschätzt wird. Technisch hoch anspruchsvoll, aber trotzdem extrem spaßig, das könnten die Adjektive sein, die kurz und knapp zusammenfassen, was hier geboten wurde. Anschließend standen wieder sechs Stunden Training im Zeitplan und auch währenddessen hat es nur einmal ganz kurz geregnet, was jedoch nichts am staubigen Untergrund ändern konnte.

Nachdem es in der Nacht zum Samstag geregnet hatte, startete das Training zumindest von oben erstmal trocken. Ab neun Uhr standen den Fahrerinnen und Fahrern erneut fünf Stunden Training zur Verfügung, bevor dann am Nachmittag die Qualifikation begann. Leider änderte sich zur Mittagszeit auch das Wetter und der Regen setzte erneut ein. Der ohnehin schon fordernde Kurs wurde noch einmal anspruchsvoller.

Puddle - EDC Pila 2019.jpg

Am besten kam in der Qualifikation der Elite Women Veronika Widmann (ITA - Insync Racing) zurecht, während bei den Elite Men sich Laurie Greenland (GBR - MS Mondraker) als Schnellster für das Super Final qualifizierte.

Laurie Greenland - iXS EDC

Auch am Sonntagmorgen war der Himmel grau und die Strecke feucht, aber zumindest regnete es nicht. Dem Fahrerfeld stand wieder ein morgendliches Training offen. Kurz nach dem Mittag ging es dann mit den Finalläufen los. Der Kurs trocknete immer weiter ab und somit war klar, dass trotz der eher schrecklichen Vorhersage das Rennen doch nicht als Regenveranstaltung in den Gedächtnissen bleiben wird. Sportlich gesehen wäre dies natürlich nicht weiter wild, schließlich gehört auch das dazu. Für den Wiedereinstieg von Pila in den Europacup aber war diese zuschauerfreundlichere Atmosphäre eher angebracht, denn die radsportbegeisterten Italiener liefern immer ein würdiges Umfeld.

Die erste Klasse waren die Pro Masters. Die gefahrenen Zeiten waren um Einiges schneller, als am Vortag, was auf die doch besseren Bedingungen zurückzuführen war. Den Sieg sicherte sich Fabrizio Dragoni (ITA - Alessi Racing Team) mit knapp fünf Sekunden Vorsprung vor dem Gewinner von Abetone Benjamin Herold (GER - Giant Germany off-road Team). Das Podest komplettierte Paolo Alleva (ITA - scoutbike.com).

Fabrizio Dragoni - iXS EDC

Anschließend ging die Klasse U17 female auf den Kurs und ein Blick auf die Liste des Qualifikationsergebnisses zeigte, dass die Nuchwuchsfahrerinnen schon sehr zügig unterwegs waren. Diesmal setzte sich Izabela Yankova (BUL - Riders United) mit einer Zeit von 4:56.280 Minuten an die Spitze und verwies damit die Vortagesschnellste Kine Haugom (NOR - Drammen cykleklubb) auf den zweiten Rang. Anastasia Thiele (GER - BSS Youth Syndicate) sicherte sich den dritten Platz. In der weiblichen U19 Klasse gingen nur drei Italienerinnen an den Start, wobei sich Carola Favoino (ITA - Gravitalia Squadra Corse) mit einer Zeit von 5:30.811 Minuten durchsetzte.

Izabela Yankova - iXS EDC

In der U17 male Kategorie hatte wieder mal der Serienüberflieger Nuno Zuzarte Reis (POR - Commençal), der immerhin alle drei bisherigen Rennen gewinnen konnte, einen ernstzunehmenden Gegner. Oisin O‘Callaghan (IRL - Trek Ireland Racing) nahm in der Qualifikation dem Portugiesen über elf Sekunden ab. Doch diesmal behielt der Serienführende die Nerven und legte mit 4:03.769 Minuten eine nicht zuschlagende Zeit vor. Das Duell zwischen den beiden begann bereits im März beim Portugal Cup in Lousa, bei dem der Ire die Nase vorn hatte.

Oisin O‘Callaghan - iXS EDC

In Abetone konnte Zuzarte Reis den direkten Zweikampf ebenso für sich entscheiden wie nun auch in Pila. Mit nur drei Zehntelsekunden verwies er O’Callaghan auf Rang zwei. Mit zehn Sekunden Abstand platzierte sich Ryan Brannen (GBR - Leslie Bike Shop) auf dem dritten Podestplatz. Den Sieg der Gesamtwertung hat sich mit diesem Ergebnis auf jeden Fall Nuno Zuzarte Reis schon vorzeitig gesichert. Von ihm wird man wohl noch einiges in der Zukunft hören.

Nuno Zuzarte Reis - iXS EDC

In der Klasse Elite Women zeigten die Italienerinnen ihre Qualität und sicherten sich alle Podiumsplätze. Ganz oben stand, wie zu erwarten war, Veronika Widmann (ITA - Insync Racing) mit einer Zeit von 4:36.185 Minuten und einem Vorsprung von 3 Sekunden.

Veronika Widmann - iXS EDC

Auf Rang zwei reihte sich Alia Marcellini (ITA - Rogue racing team) ein, während die erst 20-Jährige Alessia Missiaggia (ITA - Team Zanolini Bike) das Rennen auf dem dritten Platz beendete. Die Südtirolerin Veronika Widmann hat mit diesem Ergebnis ihren Vorsprung in der Gesamtwertung auf Lea Rutz (SUI - iXS Gravity Union) ausgebaut. Und um noch einmal den Vergleich der U17 heranzuziehen, Izabela Yankova wäre tatsächlich Vierte des Elite Rennens geworden.

Als nachfolgende Klasse waren dann die Junioren der U19 an der Reihe. Dort sicherten sich zwei Neuseeländer den Doppelerfolg. Mit einer Zeit von 4:00.647 Minuten konnte Finn Hawkesby-Browne (NZL - Santa Cruz NZ) das Rennen für sich entscheiden, während sein Landsmann Louis Vuleta (NZL - TREK Torpedo Racing) auf den zweiten Rang fahren konnte. Der Vortagesschnellste Hannes Lehmann (GER - MRC Saracen Racing Team) wurde knapp Dritter.

Finn Hawkesby-Browne - iXS EDC

Nun war also das Super Final der Elite Men dran. Das Wetter hatte sich zwischenzeitlich wieder zum Guten gewendet und bei angenehmen Bedingungen war die Stimmung dem Anlass entsprechend. Als einer der ersten ging Harry Molloy (GBR Insync Racing) auf den Kurs und legte mit einer Vier-Minuten-Zeit schon mal eine ordentliche Marke hin. Anschließend konnte der Teamkollege der Women-Siegerin es sich im Red Bull Hot Seat bequem machen und zusehen, wie die nächsten fünfzehn Fahrer nicht an seine Zeit herankamen. Erst Jonas Bernet (SUI - iXS Gravity Union) konnte unter vier Minuten bleiben. Dann war es Francesco Colombo (ITA - scoutbike.com), der noch einmal um eine Sekunde drunter bleiben konnte. Nun kamen weitere sechs Fahrer, die nicht unterbieten konnten. Erst als die Zwischenzeit bei Stefano Introzzi (ITA - Scout/Nukeproof), einem weiteren Italiener, grün leuchtete, war der Hot Seat Platz gefährdet. Und tatsächlich brachte Introzzi den Lauf runter und übernahm die Führung. Jetzt kam Constantin Ruetsch (SUI - iXS Gravity Union), der sich zwischen die beiden Italiener setzte. Nun waren die Augen der zahlreichen Zuschauer auf George Brannigan (NZL - GT Factory Racing) gerichtet, der sich den aktuell dritten Platz sicherte. Der drittletzte Christopher Philogene (RSA - 2 Bros Racing) konnte auch nicht ums Podest mitreden. Bei Davide Palazzari (ITA - Scout Nukeproof) ging noch mehr schief, wodurch er nur abgeschlagen im hinteren Drittel landete. Somit war es nur Laurie Greenland, der noch etwas am Ergebnis ändern konnte und natürlich haben ihm das auch alle zugetraut.

Laurie Greenland - iXS EDC

An der Zwichenzeit hatte der Brite schon drei Sekunden Vorsprung, doch als er über den Zielsprung ging und noch die letzten Meter in Richtung Ziellinie sprintete, war allen klar, das würde eine absolut sensationelle Zeit. Die Anzeigetafel ließ eine Zeit von 3:50.681 Minuten aufleuchten und damit fast fünf Sekunden Vorsprung auf Stefano Introzzi. Constantin Ruetsch wurde Dritter und baute damit seine Führung in der Gesamtwertung weiter aus.

Podium Elite Men - iXS EDC

Das Rennen war wieder einmal etwas Besonderes. Pila liefert einfach immer genau das, was man sich unter einem hochwertigen Rennen, mit anspruchsvoller Strecke, einem schönen Zielgelände und perfekter Infrastruktur vorstellt. Hoffentlich bleibt der Ort nun wieder länger in der Serie. Weiter geht es Mitte August mit dem Europacup im tschechischen Spicak.

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